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Forderungspapier der BSV

Forderungspapier zu den Themen Schulautonomie, Individuelle Förderung, Modulare Oberstufe, SchülerInnenparlamente, Schulpartnerschaft, Lehre und Berufsschule sowie Politische Bildung und Zentralmatura

Schulautonomie

Unser Schulsystem ist von einer hierarchischen Struktur beherrscht: Bundesministerium – Landesschulrat – Schulstandort. Für die einzelne Schule, die autonom Konzepte umsetzen möchte, gibt es viele Hindernisse. Zu wenige Direktorinnen und Direktoren und Lehrkörper fühlen sich direkt verantwortlich für die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler ihrer Schule. Der Trend in vielen OECD Mitgliedsstaaten geht sehr erfolgreich in die andere Richtung und Österreich muss auf diesen Zug aufspringen. Den Schulstandorten müssen mehr Kompetenzen und mehr Verantwortung zugesprochen werden, zwischen den Schulen muss Wettbewerb stattfinden dürfen und das schuleigene Engagement muss steigen. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Mehr Selbstbestimmungskompetenzen über personelle, finanzielle und pädagogische Angelegenheiten der einzelnen Schulstandorte.
  • Eine Aufwertung des Direktorenpostens, weg vom Verwalter und hin zum Manager und Gestalter.
  • Kontrollierter Wettbewerb zwischen Schulstandorten zur Förderung des schuleigenen Engagements, immer im Interesse der Schülerinnen und Schüler.

Individuelle Förderung

Jede Schülerin und jeder Schüler hat unterschiedliche Talente und Potentiale. Unser Schulsystem muss auf jede Schülerin und jeden Schüler einzeln eingehen können. Kein Kind darf in der Masse untergehen. Dazu essentiell ist die individuelle Betreuung im Unterricht und die Möglichkeit für den Schulstandort, zum Unterricht erweiternde Angebote zu schaffen. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Genug Ressourcen für jeden Schulstandort um jede Schülerin und jeden Schüler individuell fördern und fordern zu können.

Modulare Oberstufe

Ab September 2016 gilt die „Oberstufe NEU“ an allen AHS- und ab Oktober 2017 in allen BMHS- Oberstufen. Diese Reform bringt eine Semestrierung aller Lehrpläne und ein Alternativ-System zum Sitzenbleiben mit sich. Ziel dieser Reform ist es, Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität zu fördern und um dieser Ziel zu erreichen brauchen wir einen weiteren Schritt: Aufbauend auf der „Oberstufe NEU“ soll eine „Modulare Oberstufe“ implementiert werden, in der Schülerinnen und Schüler mithilfe von Wahlmodulen ihren Stundenplan freier wählen können. Durch Pflichtmodule sollen Grundkompetenzen erhalten bleiben. Dadurch können Talente und Interessen gefördert werden und Schülerinnen und Schüler können sich bereits früher auf Fächer spezialisieren. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Eine „Modulare Oberstufe“, in der Schülerinnen und Schüler ihren Stundenplan selbst mitgestalten können und Talente tatsächlich gefördert werden.

SchülerInnenparlamente

Inzwischen sind SchülerInnenparlamente ein sehr wichtiges Werkzeug sowohl für die Schülervertretung an Schulen, als auch im überschulischen Bereich geworden. Schülervertreterinnen und Schülervertreter treffen sich bei SchülerInnenparlamenten um über bildungspolitische Themen zu diskutieren und um gemeinsam Ideen für eine bessere Schule auszuarbeiten. Im aktuellen Regierungsprogramm hat sich die Bundesregierung bereits für eine Stärkung von SchülerInnenparlamenten ausgesprochen. Schülerinnen und Schüler sollen sich in Zukunft auf allen drei Ebenen, an der eigenen Schule, im Bundesland und auf Bundesebene stärker partizipieren können. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Eine gesetzliche Verankerung  und verpflichtende Durchführung von SchülerInnenparlamenten auf Landes - und Bundesebene, mindestens einmal im Jahr.
  • Die Unterstützung der Schülervertretung der jeweils zuständigen Ebenen bei der Organisation des SchülerInnenparlaments.
  • Die Schülervertretung hat das Recht einmal pro Semester ein Schülerparlament in der Schule abzuhalten.

Schulpartnerschaft

Für eine funktionierende Schule ist ein gutes Zusammenspiel zwischen den einzelnen Schulpartnern (Eltern, Schülern, Lehrern) essenziell. Obwohl die Schulpartner letztendlich die Betroffenen von Reformen im Bildungsbereich sind, werden sie bei Entscheidungsprozessen  viel zu oft außen vor gelassen. Wir brauchen dringend die Stärkung der Schulpartnerschaft auf Bundes-, Landes- und Schulebene, damit Schule von den Betroffenen mitgestaltet werden kann. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Aufwertung von Schulpartnergremien auf Schul-, Landes- und Bundesebene mit einer Verankerung des Bundes-SGAs, sowie Landes-SGAs
  • Zwei verpflichtende SGA-Sitzungen pro Semester
  • Ein verstärktes Mitspracherecht der Schulpartner bei Direktorenbestellungen

Lehre und Berufsschule

Die duale Ausbildung gilt europaweit als eine der besten. Nichts desto trotz wird es Lehrlingen nicht leicht gemacht ihren Beruf zu erlernen. Die Lehrlingsentschädigung in den meisten Lehrberufen liegt, vor allem in den ersten Lehrjahren, unter der Mindestsicherung. Somit wird signalisiert, dass es sich nicht lohnt, zu arbeiten. In Branchen in denen Lehrlinge bei Internatskosten nicht auf die  Unterstützung seitens des Betriebes bauen können, müssen die Kosten für das Berufsschulinternat selbst getragen werden. Wenn die Entlohnung der betrieblichen Ausbildung zusätzlich auch in die Finanzierung der Unterkunft fließt, wird sparen unmöglich. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Kollektivverträge in jedem Lehrberuf und die Einführung einer kollektivvertraglich verankerten Mindestlehrlingsentschädigung oder staatlich-finanzierten Ausgleichszahlungen.
  • Die Übernahme der Internatskosten durch den Betrieb oder den Staat.
  • Zusammenarbeit der Ausbildungspartner um eine betrieblich relevante und aktuelle Ausbildung zu garantieren.

Politische Bildung

Seit 1978 ist das Unterrichtsprinzip "Politische Bildung" in das Schulwesen integriert. Jedoch kommt dieses – wie viele andere Unterrichtsprinzipien – in Kombination mit anderen Fächern viel zu kurz und oft auch viel zu spät. Für junge Menschen ist es wichtig, dass Abläufe der Demokratie veranschaulicht werden und in weiterer Folge ein Verständnis für Politik geschafft wird, bevor sie mit 16 wählen dürfen. „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ - das darf in Zukunft nicht mehr vorkommen. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Politische Bildung als eigenständiges Unterrichtsfach ab der 7. Schulstufe.

Zentralmatura

Die neue Reifeprüfung wird im Schuljahr 2014/15 verpflichtend an allen Allgemeinbildende Höhere Schulen und 2015/16 verpflichtend an allen Berufsbildende Höhere Schulen stattfinden. Dieses Projekt hat mit einem enorm straffen Zeitplan zu kämpfen und war deshalb bereits mehr als einmal von Pannen geplagt. Jetzt, da wir uns auf den letzten Metern der Vorbereitung dieses Projekts befinden, dürfen keine Fehler mehr passieren. Sowohl das Ministerium als auch alle anderen Beteiligten stehen in der Pflicht, gemeinsam an einem Strang für die beste Matura für Schülerinnen und Schüler zu ziehen. Deshalb fordert die Bundesschülervertretung 2014/15:

  • Die Matura muss unter den selben Rahmenbedingungen ablaufen, die Schülerinnen und Schüler von Schularbeiten und Tests gewohnt sind.
  • Es dürfen keine Kollateralschäden oder Benachteiligungen entstehen. (z.B.: Legastheniker, Schülerinnen oder Schüler die durch Wiederholen einer Klasse nachträglich in den ersten NRP-Jahrgang fallen, …)
  • Das Entgegenkommen des Ministeriums und die rasche Umsetzung gegenüber in der Bundesreifeprüfungskommission aufgezeigten Notwendigkeiten.
  • Eine effiziente und funktionierende Informationspolitik des Ministeriums und BIFIE mit Schulpartner, mit allen Instanzen der Schulverwaltung, mit jeder Lehrerin und jedem Lehrer sowie mit jeder Schülerin und jedem Schüler.